1 Teil 1: Grundlagen des V-Modells

1.2 Grundkonzepte im Überblick

1.2.8 Tailoring mit Projekttypvarianten und Projektmerkmalen

Vorgehensbausteine und Ablaufbausteine kapseln die Inhalte des V-Modells, die die Projektergebnisse und den Projektablauf beschreiben. Am Anfang eines Projekts müssen beim Tailoring diejenigen Bausteine ausgewählt werden, die im jeweiligen Projektkontext sinnvoll sind. Da bei der Auswahl vielfältige Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Bausteinen beachtet werden müssen, ist diese Tätigkeit nicht einfach.

Um den Anwender hier zu entlasten, bietet das V-Modell einen dreistufigen, anwenderfreundlichen Tailoringprozess, in dessen Verlauf der Anwender den Projekttyp, eine Projekttypvariante und eine beliebige Anzahl von Projektmerkmalen festlegt. Durch diese Festlegung ergeben sich dann die im Projekt zu verwendenden Bausteine.

Das Tailoring beginnt mit der Festlegung des Projekttyps, wie im Kapitel Tailoring mit Projekttypvarianten und Projektmerkmalen beschrieben. Dadurch wird z.B. entschieden, ob das Projekt die Systementwicklung selbst durchführt oder an einen Auftragnehmer abgibt. Bereits durch die Festlegung des Projekttyps ergibt sich eine Menge von Vorgehensbausteinen, die im Projekt auf jeden Fall relevant bzw. irrelevant sind. Darüber hinaus schränkt der Projekttyp die Menge der verwendbaren Ablaufbausteine ein.

Für jeden Projekttyp bietet das V-Modell mindestens eine, meist aber mehrere geeignete Projekttypvarianten an, die das Projekt näher charakterisieren und sich gegenseitig ausschließen. Der Anwender wählt auch hier genau eine der zur Verfügung stehenden Projekttypvarianten aus. Aus dieser Auswahl ergeben sich zusätzliche zu verwendende Vorgehensbausteine und Ablaufbausteine. Ein Wechsel der Projekttypvariante während des Projekts ist nicht vorgesehen.

Im dritten Tailoring-Schritt bestimmt der Anwender das Anwendungsprofil. Dazu belegt er eine Reihe von Projektmerkmalen mit Projektmerkmalswerten. Im Prinzip stellt ein Projektmerkmal eine „Frage an das Projekt“ dar, beispielsweise „Sollen im Projekt Unteraufträge vergeben werden?“. Die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten „Ja“ und „Nein“ stellen die Projektmerkmalswerte dar. Welche Fragen der Anwender beantworten muss, hängt von dem zuvor gewählten Projekttyp und der Projekttypvariante ab. Analog zu den beiden vorigen Schritten ergeben sich auch aus dieser Auswahl zu verwendende Vorgehensbausteine und Ablaufbausteine. Werden sämtliche Projektmerkmale vollständig belegt, liegen die im Projekt zu verwendenden Vorgehensbausteine eindeutig fest.

images/ALLG-UeberblickVModell-Tailoring.gif

Abbildung 9: Tailoring im Überblick

Abbildung 9 veranschaulicht das Vorgehen: Im Beispiel wird nur ein Projekttyp mit drei Projekttypvarianten und insgesamt vier Projektmerkmalen dargestellt. Bereits durch die Wahl des Projekttyps A im ersten Schritt ist klar, dass die Projektmerkmale 1 und 2 relevant sind. Wählt ein Anwender zusätzlich zu Projekttyp A im zweiten Schritt die Projekttypvariante A2, dann muss er im dritten Schritt über die Projektmerkmale 1, 2 und 4 entscheiden.